Angelesen… Veröffentlichungen im Spielerecht (1)


20. September 2016 Hinterlasse einen Kommentar
In unserer neuen Rubrik „Angelesen“ wollen wir in regelmäßigen Abständen auf aktuelle Veröffentlichungen im Spielerecht hinweisen. Die Auswahl ist komplett subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir stellen zusammen, was wir interessant finden.

Diesmal: Urheberschutz für eSport-Taktiken, das virtuelle Hausrecht des Onlinespielbetreibers, und ganz viel Neues vom Jugendschutz.

Urheberrechtsschutz für e-Sport-Taktiken

Nicht nur die Spiele selbst, auch Taktiken von Pro-Gamern könnten urheberrechtlichen Schutz genießen. Das vertritt jedenfalls Alexander Bleckat, studentischer Mitarbeiter am Institut für Rechtsinformatik (IRI) der Leibniz Universität Hannover, in einem Beitrag. So interpretierten „Pro Gamer von Strategiespielen […] das Computerspiel auf eine künstlerische Art und Weise, indem sie ihre eigenen, erfolgreichen Taktiken zur Erreichung des Siegs einsetzen und somit erscheint die Darbietung schutzfähig.“ Das (professionelle) Spielen von Ego/Taktik-Shootern sei ebenfalls geschützt, nicht aber das Spielen von Abenteuer-, Simulations- und Sportspielen.

Ist der Computerspieler ausübender Künstler i.S.v. § 73 UrhG?
Alexander Bleckat, MMR-Aktuell 2016, 379661
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Hausrecht für Online-Spiel-Anbieter

Anbietern von Onlinespielen steht ein virtuelles Hausrecht zu, ähnlich dem Rechtsschutz für Inhaber realer Räume. Die Voraussetzungen und die Reichweite haben Timo Conraths    und Stefan Krüger in einem Aufsatz untersucht. Anbieter können mithilfe des Hausrechts bestimmte Spieler von der Nutzung des Spiels ausschließen.

Das virtuelle Hausrecht des Online-Spiel-Betreibers: Wirksame Rechtsschutzmöglichkeit für Online-Spiel-Anbieter abseits des Vertragsrechts
Timo Conraths    / Stefan Krüger, MMR 2016, 310-313
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Keine Indizierung von Mortal Kombat X

Für viele überraschend, hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) den neuesten Teil der Mortal Kombat-Reihe nicht indiziert. Die Vorgänger waren teils noch als strafrechtlich relevant eingestuft und beschlagnahmt worden. Die Entscheidung hat die BPjM aufgrund der Relevanz im amtlichen Mitteilungsblatt veröffentlicht. Eine Anmerkung dazu hat Sebastian Schwiddessen verfasst.

EU-Version von »Mortal Kombat X« nicht indiziert
Entscheidung Nr. 6069 vom 2.7.2015, BPJM-Aktuell 3/2015, 17-26
bundespruefstelle.de 

Mortal Kombat – kein jugendgefährdendes Medium (mehr): Anmerkungen und Folgefragen zur Spruchpraxisänderung der Bundesprüfstelle
Sebastian Schwiddessen, MMR 2016, 161
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Jugendschutz in der virtuellen Realität

Die diesjährige Gamescom stand ganz im Zeichen von Virtual Reality, unzählige Anbieter haben ihre Spiele und Hardware vorgestellt. Mit den jugendschutzrechtlichen Fragen rund um die neue Gaming-Erfahrung haben sich bereits im Frühjahr Felix Hilgert und Philipp Sümmermann aus unserem Spielerechts-Team in einem Aufsatz auseinandergesetzt. In der FAZ hat Jonas Jansen erklärt, welches Potential in der neuen Technik steckt.

Jugendschutz in der virtuellen Realität: Mit einem Schlag wird alles anders?
Felix Hilgert / Philipp Sümmermann, CR 2016, 104-109
Otto Schmidt (für Abonnenten), Kurzfassung im CR-online.de Blog 

Warum die Spielebranche verrückt nach virtueller Realität ist
Jonas Jansen, FAZ v. 21.08.2016
FAZ.net 

Die neue Vorsitzende der BPjM: Martina Hannak-Meinke

Die für den medialen Jugendschutz zuständige Bundesoberbehörde in Bonn, Hüterin des „Index“, hat seit diesem Jahr eine neue Leitung. Nach rund 37 Jahren bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) ist Elke Monssen-Engberding in den Ruhestand gegangen, ihre Nachfolgerin an der Spitze ist Martina Hannak-Meinke.

Im Deutschlandradio Kultur hat sie ein Interview zur Frage gegeben, ob es in Deutschland Zensur gibt. Einen Einblick hinter die Kulissen der BPjM liefert ein Artikel des Bonner General-Anzeigers, Martin Wein hat sich zeigen lassen, wie die 21 Mitarbeiter in Bonn arbeiten. Das generelle System des Jugendschutzes bei Computerspielen und die Tätigkeit der USK hat Stephan Steininger im Gamesmarkt vorgestellt.

Aufhebung des Index vor 50 Jahren: Gibt es bei uns Zensur?
Stephan Karkowsky, Deutschlandradio Kultur, 14.06.2016
Deutschlandradio Kultur

Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien: IS-Videos bereiten Sorgen
Martin Wein, Bonner General-Anzeiger, 21.07.2016
General-Anzeiger

Jugendschutz: Feigenblatt oder Verantwortungsbewusstsein
Stephan Steininger, Gamesmarkt 09/2016, 62-65
Nur Print

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Konstantin Ewald

Konstantin Ewald

Partner at Osborne Clarke
Konstantin Ewald leitet die deutsche Interactive Entertainment Practice Group von Osborne Clarke. Er berät die Games-Branche seit 2001 in allen Rechtsfragen – on- und offline. Das Branchenmagazin JUVE schreibt über ihn: “führender Name im Games-Sektor”.

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