“Betrug” im MMO: Erneut Ärger bei EVE Online


11. Oktober 2010 6 Kommentare
Spiegel Online berichtet heute über einen groß angelegten “Betrug” in dem MMO “EVE Online”, das in der Vergangenheit bereits wegen einer virtuellen Bankenpleite in die Schlagzeilen geraten war. Die Regeln des Spiels und dessen liberales Handelssystem lassen den Spielern zahlreiche Freiheiten zum Aufbau wirtschaftlicher Unternehmungen mit der virtuellen Ingame-Währung. Der Täter habe dies nun gemeinsam mit anderen Spielern zur Einrichtung eines “Investment-Fonds” genutzt, über den er später mithilfe weiterer von ihm kontrollierter Spieler-Accounts die alleinige Kontrolle übernommen und die gespeicherten Währungseinheiten abgezweigt hatte.

Über die rechtliche Bewertung dieses Vorgangs lässt sich streiten. Man mag darin noch ein (spiel-)regelkonformes Verhalten erblicken, doch hätten wir an dieser Bewertung Zweifel. Unzutreffend dürfte in jedem Fall die Einschätzung sein, dass die Opfer dieses Tricks nur Spielzeit und kein “echtes Geld” verloren hätten. Denn die “Kredits” mit denen bei EVE Online bezahlt wird, werden im Netz durchaus auch für harte Euro gehandelt.

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Tim Maiorino

Tim Maiorino

Associate at Osborne Clarke
Tim Maiorino ist Mitglied des IT-Teams in Köln und berät nationale und internationale Unternehmen in den Bereichen Softwareverträge, Softwarevertrieb, Interactive Entertainment und Medienrecht.

6 Kommentare zu "“Betrug” im MMO: Erneut Ärger bei EVE Online"

  1. Lotho

    >Unzutreffend dürfte in jedem Fall die Einschätzung sein, dass die Opfer dieses Tricks nur Spielzeit und kein “echtes Geld” verloren hätten. Denn die “Kredits” mit denen bei EVE Online bezahlt wird, werden im Netz durchaus auch für harte Euro gehandelt.<

    Keines der Opfer hat jetzt weniger echtes Geld, als vor dem Coup. nuff said.

  2. Felix
    Felix

    Aaaaber die Opfer haben weniger Kredits, die sie selbst vielleicht für echtes Geld erworben haben, und sie haben nicht die Leistung dafür bekommen, die ihnen dafür versprochen wurde. Strafrechtlich kann da immer noch ein Betrug draus werden. Man müsste sich für eine endgültige Bewertung aber genauer als es aufgrund der Spiegel-Meldung möglich ist mit den tatsächlichen Abläufen und dem EVE-Regelwerk auseinandersetzten.

  3. Lotho

    >Aaaaber die Opfer haben weniger Kredits, die sie selbst vielleicht für echtes Geld erworben haben, und sie haben nicht die Leistung dafür bekommen, die ihnen dafür versprochen wurde.<

    Doch. Sie haben ihre ISK für echtes Geld bekommen (natürlich ist es Spekulation, ob tatsächlich Geld für ISK gezahlt wurde.)

    Wenn diese Spieler ihre ISK jemandem anvertrauen, obwohl sie genau wissen, dass es keinerlei Garantie gibt, dass der Spieler sie einfach behält, dann sind sie selbst schuld. Das ist so ähnlich, wie wenn du Geld an die Nigeria Connection überweisen würdest.

  4. Lotho

    >Man müsste sich für eine endgültige Bewertung aber genauer als es aufgrund der Spiegel-Meldung möglich ist mit den tatsächlichen Abläufen und dem EVE-Regelwerk auseinandersetzten.<

    Genau. Und glaub mir: Das würde auch auf 'selber Schuld' rauslaufen.

    Mfg

  5. Felix
    Felix

    >Das ist so ähnlich, wie wenn du Geld an die Nigeria Connection überweisen würdest.<

    Mag sein, aber die Nigeria Connection ist auch Betrug. Nur weil ein Opfer vielleicht besonders naiv oder leichtgläubig ist, heißt das ja nicht dass sich der Betrüger nicht strafbar macht.

  6. Lotho

    Mir gings eher darum, dass du selber Schuld bist, wenn du der Nigeria Connection Geld schickst. Du könntest dein Geld auch verbrennen, dass hätte den selben Effekt.

    Der große Unterschied zwischen dem Betrug bei Eve und der N-Connection ist halt: Das eine ist ein Spiel, das andere die Wirklichkeit. Das Spiel lässt es ausdrücklich zu, andere über den Tisch zu ziehen.
    Gut, dass ist im RL nicht anders. Nur stehen da dann Menschen vor dem Nichts, weil sie alles Verloren haben.

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