Google Analytics bleibt ein No-Go


29. März 2010 10 Kommentare
Wieder einmal steht Google mit seinem für Webseitenbetreiber kostenlos einsetzbaren Analysedienst in den Schlagzeilen. Denn der Suchmaschinen-Primus hat ein globales Browser-Plugin angekündigt, mit dem Surfer zukünftig Google Analytics deaktivieren können. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Dienst auch dann aufgrund klarer Verstöße gegen das Datenschutzrecht in Deutschland weiter nicht eingesetzt werden darf.

Google Analytics ist mit deutschem Datenschutzrecht unvereinbar. Darauf hat sich jüngst der sogenannte Düsseldorfer Kreis, die informelle Vereinigung der obersten Datenschutz-Aufsichtsbehörden, verständigt. Denn der bei Webseitenbetreibern immer noch beliebte Dienst sammelt und verarbeitet IP-Adressen und andere personenbezogene Daten ohne das erforderliche Einverständnis der Nutzer. Noch dazu übermittelt der Dienst diese Daten in die USA; ein Land, in dem die Userdaten praktisch ungeschützt sind. Die jetzt bekannt gewordenen Pläne von Google, den Dienst für Besucher individuell abschaltbar zu machen, ändern an dieser rechtlichen Bewertung nichts.

Viele Spieleanbieter setzen dennoch weiterhin Google Analytics ein. Und riskieren damit ein Bußgeld, das theoretisch bis zu 300.000 Euro hoch ausfallen kann. Denn die mit dem Analysedienst verbundenen, mehrfachen Datenschutzverstöße stellen unter dem Bundesdatenschutzgesetz eine Ordnungswidrigkeit dar. Und weil der Gesetzgeber davon ausging, Teile der Wirtschaft zur Räson rufen zu müssen, wurde das Bußgeld zuletzt mehrfach erhöht. Möglicherweise droht darüber hinaus auch eine Abmahnung durch Mitbewerber.

Rechtswidrig ist nicht allein Google Analytics. Verschiedene andere Dienste arbeiten ähnlich und sind damit genauso unzulässig. Der Einsatz solcher Dienste auf der eigenen Internetpräsenz sollte schnellstmöglich abgestellt werden. Dabei ist auch zu bedenken, dass solche, rechtswidrigen Anwendungen auf der eigenen Seite für jedermann erkennbar sind. Und Lösungen in Form von rechtlich zulässigen Diensten existieren ohnehin.

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Dr. Marc Störing

Dr. Marc Störing

Associate at Osborne Clarke
Dr. Marc Störing ist Associate bei Osborne Clarke in Köln und berät insbesondere im IT-, Telekommunikations- und Datenschutzrecht. Er ist Autor zahlreicher technischer und juristischer Fachpublikationen.

10 Kommentare zu "Google Analytics bleibt ein No-Go"

  1. Pascal

    Ich blockiere den Zugriff von Google Analytics mit “Ghostery” einem Add-on für Mozilla Firefox. https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/9609

  2. cronhill

    “Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Dienst auch dann aufgrund klarer Verstöße gegen das Datenschutzrecht in Deutschland weiter nicht eingesetzt werden darf.”

    Nach Telefonat mit Landesdatenschutzbeauftragten NRW, wird im Mai erst geprüft, ob Google Analytics nach Einführung des Plugins weiter eingesetzt werden darf. Zur Zeit sollte man Analytics aber dringendst deaktivieren.

  3. Tuttle

    Danke für die Aufklärung. Trifft das gleiche nicht auch auf WordPress Stats zu, welches in diesem Blog verwendet wird?

  4. Baerin

    “Und Lösungen in Form von rechtlich zulässigen Diensten existieren ohnehin.”

    Welche und sind diese kostenlos? (Danke)

  5. Konstantin
    Konstantin

    @Tuttle:
    Vielen Dank für diesen Hinweis. Mir ist die genaue Arbeitsweise von WordPress Stats noch nicht abschließend klar, insbesondere inwieweit tatsächlich (vollständige) personenenbezogene Daten verarbeitet werden. Ich habe Ihren Hinweis zum Anlass genommen, mir das noch einmal näher anzusehen. Die technischen Informationen im Netz sind leider jedoch sehr widersprüchlich.

    Für die Bloggerwelt komme ich zu folgender Lösung und habe diese auch hier realisiert:

    WordPress Stats abschalten; auf dem eigenen Server die Open Source Lösung piwik einsetzen. Bei der aktuellen Version kann man das Speichern von IP-Adressen ausschalten und erhält dennoch brauchbare Statistiken. So müßte es datenschutzrechtlich funktionieren.

    Leider weiß all das kaum jemand und WordPress wird mit WordPress Stats vorinstalliert überall angeboten.

  6. Konstantin
    Konstantin

    @Baerin:
    Wir bereiten das mal näher auf.

  7. Bastian

    Hi zusammen,

    durch einen Zufall bin ich auf diesen Beitrag gestoßen. Dass diese ganze Debatte völliger Unfug ist, scheint anscheinend niemand zu stören. Darf ich in die Runde fragen, wer der Beteiligten einen Server betreibt oder dies schon einmal getan hat? Da wären zum Beispiel die Apache Logs, in denen ebenfalls IPs der Benutzer gespeichert werden.

    http://httpd.apache.org/docs/trunk/logs.html

    Müssen wir als Konsequenz nun alle Server in Deutschland abschalten? Ich bin ja ein Freund des Datenschutzes, langsam aber sicher wird es allerdings lächerlich. Und was kommt als nächstes? Sämtliche Forensysteme wie phpbb, vbulletin oder invision power board loggen die IPs der Nutzer. Und warum: weil im Internet leider ein Haufen Idioten unterwegs ist, der Plattformen dazu missbraucht um Spam oder illegale Inhalte loszuwerden.

    Bisher müssen sich diese Spammer mühe geben, ihre IPs über Proxies und/oder gehackte Server zu verschleiern, was durch die unsäglichen Regelungen ebenfalls enfällt. Wenn sich jemand in unserem Forum daneben benimmt, kann ich ihn nicht wie früher Anzeigen, denn ich verstoße mit dem Logging der IP gegen Gesetze.

    Und der ganze Aufwand für eine Gesellschaft, die ihre pesönlichen Informationen auf Facebook, WkW & Co. mit der allergrößten Freude zur Schau stellt. Dazu fällt mir offen gesagt nicht mehr viel ein. Wir lassen Analytics weiterlaufen und sollte uns jemand deswegen angehen, verlagern wir den Standort der Seite schlicht ins Ausland.

    Offen gesagt finde ich es auch schade, dass in mehr als 90 Beiträge immer nur auf Google herumgehackt wird und auf die geschilderten Randaspekte nicht eingegangen wird.

  8. Gabi

    Wir sind doch eh schon lange gläserne Nutzer des Netz…. Google macht was sie wollen und wir schauen in die Röhre, weil alles wichtiger ist als die Rechte des deutschen “Rechtsstaats”.

    Sowas is lächerlich oder auch erbärmlich

  9. Tierversand

    Ich finde es krass, das ein Bussgeld von bis zu 30.000 Eur verhängt werden darf bei nichtachtung der Richtlienien…

    Naja das ist halt Deutschland..

  10. Ambajorat

    Das hat sich aber seit letzte Woche grundlegend geändert, oder?

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