“Killerspiele”, oder: Das Ceterum Censeo der CSU


23. Juli 2010 1 Kommentar
Unter der Überschrift “Missbrauch im Ferienlager” äußert sich die bayerische Justizministerin Beate Merk in einer Pressemitteilung zu den Übeln dieser Welt im Allgemeinen und zu einem bayerischen Lieblingsübel im Speziellen:

Der Weg in die Gewaltkriminalität ist nicht weit, wenn man als junger Mensch Gewalt täglich am Bildschirm übt! Mir geht es darum, solche Spiele zu verbieten, die den Spieler an grausamen und unmenschlichen Gewalttätigkeiten gegen Menschen beteiligen.

In welchem Egoshooter sie allerdings die sexuelle Misshandlung von Jugendlichen gefunden hat, verrät die Ministerin nicht. Und von besonderer Sachkenntnis zeugt dieses Statement auch nicht. Denn das gegenwärtige Jugendschutzsystem -und übrigens auch geltendes Strafrecht- verhindert gerade Spiele mit “grausamen und unmenschlichen Gewalttätigkeiten”.

Man kann über Einschränkung und Ausweitung, Sinn und Unsinn des Jugendmedienschutzes sicher kontrovers diskutieren – aber es sollte wenigstens der Anlass passen. Das reflexhafte Eindreschen auf Computerspiele(r) als Antwort auf Medienberichte über jeden beliebigen Akt der (Jugend-)Gewalt schadet am Ende der Sache.

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Tim Maiorino

Tim Maiorino

Associate at Osborne Clarke
Tim Maiorino ist Mitglied des IT-Teams in Köln und berät nationale und internationale Unternehmen in den Bereichen Softwareverträge, Softwarevertrieb, Interactive Entertainment und Medienrecht.

Ein Kommentar zu "“Killerspiele”, oder: Das Ceterum Censeo der CSU"

  1. Mario

    Da passt doch Dieter Nuhr ganz gut: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal… Es ist erschreckend zu beobachten, wie Politiker solche schlimmen Dinge wie den Mißbrauch im Ferienlager dazu nutzen, ihre hohlen Phrasen in die Presse zu werfen. Hauptsache der Name steht in der Überschrift. Das schlimmste daran ist die Tatsache, daß der Otto-Normal-Bürger der mit Ego-Shootern so garnichts anfangen kann, sich sehr leicht beeinflussen lässt.

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